Void Vorankündigung

Void Kritik

Void - Zum Dritten Ohr und zum Dritten Auge

von Sandra Buchta


Eine Klang-Raum-Installation im Kunstbunker Tumulka von Michael Miritsch und Rainer Fabich

Mein persönliches Lieblingsgeräusch heißt "Autoreifen über nassem Asphalt". Leider verliert es - so wie alle Geräusche - ziemlich an Reiz, sobald man versucht es in Worte zu fassen.... Wie man Klang, Raum und Sinneswahrnehmungen auf eindrucksvolle Weise inszenieren kann, zeigt die Installation Void, die derzeit im Kunstbunker Tumulka zu hören, fühlen und sehen ist.
'Das englische "void" bedeutet "leer, unbewohnt" und genau das ist der ehemalige Hochbunker an der Prinzregentenstraße. Für Michael Miritsch - Architekt und Installationskünstler - stellt der Bunker den idealen Ort für eine Klangexpedition dar: ein Leerraum, mitten in der Stadt, in dem sich dem Besucher auf mehreren Ebenen eine orts- und zeitlose Welt eröffnet.

Begehbare Klangsäule

Wie durch eine Schleuse, betritt der Besucher den Bunker: Ein Bildschirm im Vorraum überträgt per Live-Schaltung die Außenansicht des Gebäudes und die Geräuschkulisse der Straße, die man soeben hinter sich gelassen hat. Währenddessen gewöhnen sich die Augen an die Dunkelheit - das Spiel kann beginnen.
Rainer Fabichs akkustische Arrangements verwandeln den Treppenschacht zur Klangsäule. Verschiedene, nicht zu ortende Stimmen (gesprochen von Angelika Bender, Franziska Walser und Rena Zednikova) befinden sich in einem Dialog, der bereits angefangen hat und sich immer weiter windet, bis der Besucher schließlich das oberste Stockwerk erreicht hat.


        


"Please let me out im trapped inside your heads”

Das die Zwischengeschosse eines Treppenhauses eigentlich interessante Schwellenorte sind, schlägt sich leider nicht im deutschen Wortschatz nieder. Statt dessen aber im englischen bzw. französischen: Dort nennt man die nutzlose Etage "mezzanine " - ein Wort, das zumindest die Phantasie beflügelt.
Miritsch hat in den Zwischengeschossen Diaskope installiert. Das Panorama einer Wüste, das sich dem Betrachter durch die Linse eröffnet, vermittelt Weite und Unendlichkeit - die beklemmenden Nietzsche-Zitate und lyrics des südafrikanischen Rap-Dichter Lesego Rampolokeng erinnern uns jedoch sofort wieder daran, wo wir uns befinden: in einem abgeschlossenen, schalldichten Raum. Oder beginnt die Schalldichte vielleicht schon im eigenen Kopf?

Mit ihrer Installation führen Miritsch und Fabich den Besucher bewußt in die Irre. Konsequenz: der Ausstellungsrundgang spielt sich vor allem in den Köpfen ab. Und so ist es ja auch mit den besten Geschichten...


http://www.arterminal.de/projects/art-terminal/forum/maerz/void.htm

VOID - Eine Klang-Raum-Installation
von Michael Miritsch und Rainer Fabich

- Hör - und Stimmbilder zum 100. Todesjahr von Friedrich Nietzsche -

Michael Miritsch, den meisten Münchnern bekannt durch die Ausstellung lebensgroßer Pappkühe am Mittleren Ring, zeigt ab dem 28. März 2000 sein neuestes, zusammen mit dem Filmkomponisten Rainer Fabich entwickeltes Projekt "Void" im Kunstbunker Tumulka.
Der Titel "Void" spielt auf den ehemaligen Zivilschutzbunker als einem heute funktionslosen, städtebaulichen Leerraum an. Akustisch und visuell wird das Innere des massiven Gebäudes in all seinen Dimensionen ästhetisch ausgelotet. Um die Selbstbezüglichkeit des menschlichen Denkens kreisende Fragmente von Friedrich Nietzsche - gesprochen von Franziska Walser (Münchner Kammerspiele), Angelika Bender (Deutsche Schauspieler Akademie) und Rena Zendikova - konkurrieren mit provokativen Versen des südafrikanischen Rap-Dichters Lesego Rampolokeng. Diese Stimmenkollage summiert sich in dem über sieben nach oben erstreckenden Treppenschacht zu einer je nach Standpunkt des Besuchers changierenden Klangsäule. Zusätzlich verstärkt durch Lichtinstallationen lösen sich die klassischen Wahrnehmungskoordinaten in dem Arrangement auf und vermitteln zunehmend das Gefühl der Desorientierung. "Void" als architektonischer Leerraum offenbart sich nun auch als metaphysisches Vakuum, in dem die gültigen Fundamente des Seins brüchig werden. Während die Schallwellen bislang eine Irritierung des Sehens und Hörens hervorgerufen haben, versetzt hingegen im letzten Stock die Stimme des Betrachters die Projektion einer Strömungswelle in Bewegung und formiert ihr individuelles "Stimmbild".

  Komponist

Musiker

Dozent

headok